Jagd auf Wikileaks

Wikileaks
Mal wieder hat Wikileaks Informationen veröffentlicht, die für einige Regierungen unangenehm sind. Und anstatt dass sich diese Regierungen einmal die Frage stellen, ob nicht zuviel geheimgehalten wird und ob die Öffentlichkeit nicht vielleicht ein Anrecht darauf hat, transparent informiert zu werden, kritisieren sie Wikileaks mit allem, wirklich allem was die PR-Abteilungen hergeben. Das entbehrt oft nicht einer gewissen Komik.

  • Die USA haben beim Irak-Leak Wikipedia zum Beispiel mehrmals öffentlich aufgefordert, „die illegal beschafften Daten zurückzugeben“. Aha. Digitale Daten „zurückgeben“. Schonmal versucht, eine E-Mail zurückzugeben? Ist sie danach nicht mehr da? Aber der US-Sprecher hat das Wort „löschen“ sorgfältig vermieden, warum?

    Löschen wäre natürlich auch sinnlos, wenn die Daten inzwischen von vielen tausend Leuten kopiert wurden. Es geht nur um PR. Die Leute können mit den Worten „illegal beschafft“ und „zurückgeben“ etwas anfangen und es schafft das Bild eines Diebs. Wikileaks soll als Dieb dargestellt werden.

  • „Die Leaks gefährden Menschenleben. Wikileaks hat Blut an den Händen.“, ist die andere Parole, die US-amerikanische Regierungsbeamte in die Welt gesetzt haben und auf die zahlreiche Medien, darunter auch deutsche, aufgesprungen sind. Angefangen hat diese Hetze mit dem Collateral-Murder-Leak Anfang April 2010. Ist seitdem ein Informant zu Schaden gekommen? Nein. Nichts ist passiert, es war alles Panikmache. Trotzdem wird diese PR nach wie vor gestreut, um die öffentliche Meinung gegen Wikileaks zu drehen.
  • Eine neue Dimension der PR in diesem Zusammenhang hat Wolfgang Schäuble eröffnet, der sich nicht entblödete, Wikileaks mit der Stasi zu vergleichen. Dabei war die Stasi das genaue Gegenteil von Wikileaks: Die Stasi hat im Geheimen recherchiert, während Wikileaks schonungslos transparent ist.
  • Und auch in den Medien wird Wikileaks teilweise scharf verurteilt, oft mit völlig unbrauchbaren Argumenten. Der häufigste Vorwurf ist, die Wikileaks-Berichte seien nicht ausgewogen. Wer das behauptet, hat nicht verstanden, was Wikileaks überhaupt ist. Wikileaks veröffentlicht, was ihnen zugetragen wird. Eine redaktionelle Aufbereitung findet bewusst nicht statt, es werden nur Quellen veröffentlicht. Eine Aufbereitung der Informationen wird den Medien überlassen.

    Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit weiß, dass die US-Kampfhubschrauberbesatzungen abfällig über Iraker reden, bevor sie aus sicherer Entfernung auf Reporter und Kinder feuern. Es ist wichtig zu wissen, dass die Bundesregierung nach Guantanomo verschleppte Uiguren nur aus Rücksicht auf China nicht aufnimmt. Es ist wichtig zu wissen, dass die USA massiv Druck auf die Bundesregierung ausüben, um an persönliche Daten deutscher Bankkunden und Flugpassagiere zu kommen. Ich hoffe daher, dass Wikileaks weiterhin Informationen veröffentlicht und derartige Dinge ans Licht kommen. Dass das einigen gegen den Strich geht, liegt auf der Hand. Über die große Hexenjagd in den Medien darf man sich daher nicht wundern.