Gedanken zu einem sinnvolleren Internet

Im Internet gibt es unendlich viele Informationen über alle erdenklichen Themen. Für viele stellt sich die Frage: „Wie kann ich davon profitieren, wie finde ich, was mich interessiert?“. Dazu gibt es einige Ansätze und ich möchte sie hier vorstellen und einen Ausblick in die Zukunft bieten.

  • Herumsurfen und Links folgen. Dieses ungerichtete Herumstöbern führt einen zwar oft zu interessanten Seiten, ist aber nicht dazu geeignet, in kurzer Zeit möglichst viele relevante Inhalte zu finden.
  • Suchmaschinen. Mit Google und Co. findet man Seiten, die man durch Stöbern nicht finden würde. Suchmaschinen haben aber seit jeher das Problem, dass sie nach Worten auf Webseiten suchen und nicht nach Bedeutungen. So kann es passieren, dass ich nach „xyz“ suche, aber wenn zufällig ein Charakter einer japanischen Zeichentrickserie ebenfalls „xyz“ heißt, finde ich die gewünschten Links erst auf der dritten Ergebnisseite.
  • Bekannte Websites. Wenn ich einmal auf einer Website gute Informationen gefunden habe, kann ich mir ein Bookmark erstellen und ab und zu nachschauen, ob wieder etwas für mich Relevantes auftaucht. Bei 2 Websites mag das noch gehen, bei 20 wird das aber praktisch unmöglich.
  • RSS[?]-Feeds. Sie sind ein nützliches Hilfsmittel, um den im vorigen Punkt genannten Ansatz zu verbessern. RSS-Feeds werden automatisch aktualisiert und sind schneller zu überfliegen als wenn man die Website besuchen würde. Trotzdem ist ihr Nutzen beschränkt, einerseits, weil die Inhalte von RSS-Feeds nicht granular genug festgelegt werden können und andererseits weil viele RSS-Reader die RSS-Feeds verschiedener Websites nicht zu einem einzigen Feed verschmelzen können.
  • Semantic Web[?] (RDF[?]). Dieser Begriff ist zwar recht klar definiert, aber nicht, was der Einzelne darunter versteht. Im Allgemeinen meint man damit alle Maßnahmen, die dazu beitragen, Inhalte im Internet so mit Bedeutungen zu verknüpfen, so dass Computer sie vorsortieren können. Das ist eher eine Vision, etwas, was in weiter Ferne ist, worauf aber immer wieder kleine Schritte zugemacht werden. Aber selbst wenn das Web irgendwann vollkommen „semantisch“ wäre, wären die meisten Benutzer wohl nicht in der Lage, ihre Interessen und Vorlieben so präzise zu formulieren, dass Software eine gute Auswahl finden kann.
  • Mein persönlicher Vorschlag zu dem Thema ist folgender: Intelligente RSS-Aggregatoren und Indexer.

    RSS-Aggregatoren

    Wer RSS-Feeds mit einem Browser nutzt (z.B. „Dynamische Lesezeichen“ bei Firefox), stellt fest, dass es umständlich ist, die Überschriften vieler verschiedener Feeds zu lesen. Praktischer wäre es, wenn all diese Feeds miteinander verschmolzen würden. Genau das leisten RSS-Aggregatoren. Der Kasten Links „Unterhaltsames von Postillion und Escapist“ ist so ein Aggregator, er fügt mehrere RSS-Feeds der Website The Escapist zusammen und bietet diese entweder auf einer Web-Seite oder per eigenem RSS-Feed an.

    Das setzt allerdings voraus, dass die entsprechenden Websites ihren Inhalt so kategorisieren, dass ich diejenigen Inhalte herausfiltern kann, die für mich relevant sind. Das kann mit Hilfe von sorgfältigem Tagging recht gut geleistet werden, aber nur wenige Websites leisten das und bei benutzergenerierten Inhalten ist das nur begrenzt möglich. Das zweite Problem ist, dass ich nicht alle Websites kennen kann, die vielleicht in Zukunft für mich relevante Inhalte einstellen werden. Hier kommen Indexer ins Spiel.

    Indexer

    Ständig versuchen automatisierte Systeme, das gesamte Internet zu inventarisieren. Sogenannte Spider folgen jedem Link und stellen die Ergebnisse in Suchmaschinen zur Verfügung, allen voran Google. Diese Suchmaschinen machen von Jahr zu Jahr Fortschritte darin, zu „verstehen“, zu welchem Thema die gefundenen Seiten zugeordnet werden können, sie bieten dem Benutzer aber kaum Möglichkeiten, gezielt nach diesen Themen zu suchen. Es wäre toll, wenn man bei einer Suchmaschine differenziert definierte Themen abonnieren könnte und darauf wiederum mit einem RSS-Feed zugreifen könnte. Derartige Systeme nenne ich „Indexer“. Vielleicht erinnert sich noch jemand an Yahoo, die versucht haben, genau das zu leisten, allerdings nicht automatisiert sondern durch eine Redaktion, was naturgemäß sehr viele Internet-Inhalte nicht berücksichtigen konnte.

    Was bedeutet das für uns? Wir sollten den Betreibern unserer Lieblingswebsites mitteilen, dass wir uns eine granulare, maschinenauswertbare Kategorisierung wünschen (daran sollten sie wegen SEO[?] ein Eigeninteresse haben) und wo immer wir selber Content erstellen und Kategorisierungsmöglichkeiten haben, z.B. in Form von Tags, sollten wir sie nutzen. Nach und nach, Schritt für Schritt können wir so mithelfen, dass weniger Irrelevantes auf unserem Horizont auftaucht, und das ist gut. Es spart Zeit und, etwas pathetisch gesprochen, macht uns mündiger durch bessere Informationen.